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Nachdem beschlossen war, dass wir bei Timo trinken würden, dass Datum feststand und wie wir dahin kommen sollten, war es endlich soweit. Der Tag der Tage. Wir sollten am besagten Samstagabend nur zu 4 sein. Lukas, Linus, Timo und ich, Emily. Nachdem ich erst Lukas und dann Linus abgeholt hatte und wir es trotz des Glatteises erfolgreich zum REWE geschafft hatten und anschließend heile in Blankenhain angekommen waren, ging das ganze Schauspiel auch schon los. 

Ich schrieb Timo, dass wir soeben geparkt hatten. Kaum war die Nachricht raus, kam auch schon eine dunkle Gestallt aus einem Hauseingang auf uns zu gelaufen. Sofort war klar wer es war, Timo. Nachdem die Jungs sich begrüßt hatten, war ich an der Reihe. Auf den typischen Faustcheck wie sonst hatte ich keine Lust, immerhin ist es zwei Wochen her das wir uns das letzte Mal gesehen hatten. Ich machte also den ersten Schritt einer Umarmung, die erfolgreich von Timo erwidert wurde. Währenddessen fingen Lukas und Linus an, den Einkauf aus dem Auto zu holen. Auch ich wollte mich nützlich machen und einen der recht schweren Körbe nehmen. Dieser wurde mir aber prompt von Timo abgenommen.

Da es an diesem Abend wirklich unnormal glatt war, hatten wir große Mühe vom Parkplatz bis zum Hauseingang zu kommen. Wir kamen nur langsam und im Pinguinschritt voran. Timo nahm direkt meinen Arm um mir zu helfen, heile zur Tür zu kommen. Das war das erste, was mir komisch und anders vorkam. 

 Nach gefühlten Stunden später hatten wir es dann endlich rein geschafft. Wir zogen schnell die Schuhe aus und verschwanden in Timos Zimmer. Nachdem der Alkohol im Kühlschrank verstaut war und alle auf den Sofas Platz genommen hatten, Lukas und Linus auf dem Linken, Timo und ich auf dem Rechten, gingen die ersten Gespräche los, wie denn die Ferien so liefen. Da dies aber schnell erzählt war, gingen wir genauso schnell zum Alkohol über. Eine Mische für jeden, plus einen Joint für die Jungs, natürlich. Wie sollte es auch anders sein, schließlich war es doch jedes Mal so gewesen, wenn wir uns zum Trinken verabredet hatten. Nachdem dieser aufgeraucht war, wollten wir mit der ersten Runde Kurze anfangen. Problem dabei, die gekauften Pinnchen waren nirgends zu finden. In keiner der Taschen, nicht auf dem Tisch. Ich beschloss im Auto nachzusehen. Timo kam direkt mit, ich solle ja nicht alleine gehen müssen. Nachdem die Schuhe angezogen waren, machten wir uns wieder auf aufs Glatteis. Direkt nahm Timo meine Hand, was er sonst noch nie getan hatte. Nie. Mühsam zum Auto gerobbt, waren auch dort keine Pinnchen zu finden. Nach einem kurzem Telefonat mit der Kassiererin des REWE war klar, dass wir die Pinnchen dort liegen gelassen hatten. Wir gingen also Hand in Hand wieder ins Haus und nahmen aus dem Wohnzimmer andere Pinnchen mit nach oben. Dann konnte endlich die erste Runde Kurze gekippt werden. Keine große Sache. Auch die zweite Runde ging weg wie Wasser. Es lief die ganze Zeit über Musik, Wiz Khalifa, Snoop Dogg, das übliche halt. Nach einer Weile kam Lukas auf die Idee, dass man ja einen Film schauen könnte. Gesagt, getan. Immer mal wieder nippte einer an seinem Drink, der ein oder andere Joint wurde noch geraucht. Im Grunde wirkte es so wie immer. Es wurde getrunken, gequatscht, Musik gehört. Aber etwas war dennoch anders. Irgendwas an Timo war anders. Davon mal ab, dass er mich die ganze Zeit über beobachtete, wollte er die ganze Zeit wissen, mit wem ich auf Whatsapp schrieb und versuchte Gespräche aufzubauen.

 Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, Lukas und Linus wollten gar nicht wie geplant bei Timo pennen. Das wäre nämlich der eigentliche Plan gewesen. Trinken, Musik hören, rauchen, bei Timo schlafen und am nächsten Tag aufräumen und nach Hause gurken. 

Da Lukas und Linus aber um halb 1 abgeholt werden sollten, machten wir uns gegen zwanzig nach zwölf langsam auf den Weg nach unten. Mühevoll wurden die Schuhe angezogen und wir gingen los zu einer etwas größeren Straße, raus aus dem direkten Wohngebiet. Auch hier hielt Timo die ganze Zeit über meine Hand. Lukas‘ Vater kam recht zügig, sodass wir schnell nur noch zu zweit waren. Langsam und in Ruhe gingen wir wieder zu Timos Haus.

 In dessen Zimmer angekommen setzten wir uns wieder gemeinsam auf das Sofa. Da wir keine Lust mehr auf Musik hatten, haben wir ein wenig Fern gesehen. „Two and a half Men“ lief, wir schauten gleich ein paar Folgen davon. Irgendwann aber wurde ich müde, sodass ich meinen Kopf auf Timos Schulter lag. Er lehnte seinen Kopf gegen meinen. Es war ein schönes Gefühl, so ein angenehm warmes und weiches. Ich fühlte mich wohl und geborgen, ich schloss meine Augen. Ich habe jedoch mitbekommen, wie Timo immer wieder versucht hat zu gucken, ob ich am schlafen sei. Nach einer Weile schlug ich vor, ins Bett zu gehen. Man müsse ja noch nicht schlafen, aber liegen wäre ganz angenehm. Nachdem geklärt war, dass ich mit in seinem großen Bett schlafen wollte, machte sich jeder schnell Bett-fertig. Ich durfte an der Wandseite liegen, Timo lag außen. Aufgrund der Größe des Bettes war es kein Problem, zu zweit da drin zu liegen, ohne sich berühren zu müssen. Timo machte das Licht aus und wir redeten noch ein wenig über die Schule. Was so bisher passiert ist und was nach den Ferien so anstehen würde. Irgendwann aber, ging uns der Gesprächsstoff aus und es herrschte eine fast schon peinliche Stille.

 Wir beide lagen bequem nebeneinander auf dem Rücken, ohne Berührungen. Dann, fast wie in Zeitlupe, legte Timo seine Hand auf meine Hand. Und das nicht nur aus Versehen. Er hielt sie richtig fest, kreuzte seine Finger mit meinen. Instinktiv rückte ich etwas näher zu ihm. Er ließ meine Hand los und legte stattdessen seinen Arm um mich, drehte sich zu mir und legte auch seinen anderen Arm um mich. Auch ich drehte mich in seine Richtung und legte meinen Arm um ihn. So schliefen wir ein, Arm in Arm, als wäre es das Normalste auf der Welt.

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